Der Kater Puch ist ein neugieriger und abenteuerlustiger Geselle, der sich tapfer in jeden Kampf stürzte. Eines Abends schleppte er sich aber mit letzter Kraft bis zur Hausschwelle und brach dort zusammen. Zum ersten Mal gab sich der schwarz-weiß gescheckte und gutmütige Kater geschlagen.
Als Puch ohne Hinterpfoten und bluttriefend angekrochen kam, rief sein Frauchen sofort die Organisation „Let‘s Adopt Bulgaria“ an, die Tieren in Not hilft und der Kater wurde sofort in die Zentrale Tierklinik in Sofia eingeliefert. Da er wie viele seiner Artgenossen die meiste Zeit ein freies Leben führte und nur nach Hause kam, um dort etwas zu fressen und zu schlafen, wusste niemand, was ihm genau widerfahren war. Seine Retter vermuten, dass er von einem Zug angefahren wurde, da sein Revier durch einen Bahngleis durchzogen wird. Zum Glück wurde der Kater unter einem glücklichen Stern geboren. Als der Tierarzt das verstümmelte Tier sah, konnte er es nicht übers Herz bringen, es einzuschläfern. Und so entschloss sich Dr. Wladislaw Slatinow, den Kater zu operieren, damit er Pfoten-Prothesen bekommt – etwas, was bis dahin nur einem einzigen Tierarzt in Großbritannien geglückt war.
„Beim operativen Eingriff wurde ein Implantat aus Titan in den Knochen verankert“, sagt Dr. Slatinow. „Es ist extrem wichtig, dass die Haut über dem Implantat gut verheilt, um Infektionen und mechanischen Reizungen vorzubeugen. Danach wird die äußere Prothese daran befestigt, die bei Bedarf ausgewechselt werden kann. Das Titanimplantat sollte aber ein Leben lang halten. Problematisch bei Puch war, dass der eine Knochen kürzer war, so dass er zuerst mit einem Außenfixator um 1,5 cm gestreckt werden musste“, erklärt Dr. Slatinow.
Sobald die künstlichen Pfoten angebracht waren, begann Puch beherzt zu laufen. Das Tier ist zutraulich und ein braver Patient. Nach drei Monaten konnte er aus der Klinik entlassen werden. Dr. Wladislaw Slatinow meint, die Ärzte müssten ihm für diese Erfahrung dankbar sein.
„Die erfolgreiche Besserung setzt eine langwierige Rehabilitation voraus“, erzählt Dr. Wladislaw Slatinow weiter. „Das Tier muss laufen, damit sich seine Muskeln wieder straffen, zugleich sollte man die Prothesen aber nicht überlasten. Es ist ein komplizierter Prozess, da das Tier die Empfehlungen des Physiotherapeuten nicht bewusst befolgen kann.“
Nun lebt Puch in einer Pflegefamilie. Obwohl er wieder ein fast normales Dasein führt, darf er nicht mehr durch die Gegend streunen. Der Kater braucht einen echten Freund, der auf ihn aufpasst, ihn vor riskanten Sprüngen schützt und ab und zu mit ihm in die Tierklinik fährt, wo er in seinem Retter ebenfalls einen Freund und Beschützer auf Lebenszeit hat.
„Ich wollte bereits im Gymnasium Tierarzt werden, es war also keine zufällige Entscheidung. Mit der Zeit bin ich in den Beruf hineingewachsen“, sagt Wladislaw Slatinow. „In einer so guten Klinik zu arbeiten erlaubt es mir, mich auf die Orthopädie und Neurologie zu spezialisieren. Wir alle stehen Informationen aus aller Welt offen, verfolgen die internationalen Konferenzen und Events und wollen uns weiterbilden“, sagt der Tierarzt Wladislaw Slatinow.
Mittlerweile hat er drei weitere Patienten mit den gleichen Verletzungen wie Puch operiert. Sobald er langfristige Ergebnisse erzielt hat, will er sie in einem Medizinjournal mit seinen Kollegen aus aller Welt teilen. „Wir konnten dank der ausländischen Erfahrungen Puch retten, deshalb wollen wir nun unser Wissen vermitteln“, sagte abschließend Dr. Wladislaw Slatinow.
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Fotos: Let‘s Adopt Bulgaria
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